Woodhouse-Sakati

Woodhouse-Sakati ist eine der NBIA Störungen und wird durch Mutation des DCAF17 Gens verursacht. Charakteristisch sind sowohl neurologische wie auch endokrine Symptome.

Erste Symptome des Woodhouse-Sakati Syndroms treten typischerweise im Alter zwischen 10 Jahren bis Anfang 20 auf.

Sie ist beschrieben worden für Patienten aus Europa, dem Mittleren Osten, Nordafrika, Indien und Pakistan. Die Fälle in der Bevölkerung des Mittleren Ostens lassen sich auf eine Gründermutation zurückführen.

SYMPTOME

Erste Symptome des Woodhouse-Sakati Syndroms treten typischerweise im Alter zwischen 10 Jahren bis Anfang 20 auf.

Häufige Symptome

  • Dystonie mit extrapyramidalen Störungen (unfreiwillige Muskelkontraktionen und Spasmen, ungewöhnliche und manchmal schmerzhafte Positionen bei den Bewegungen), kann allseitig oder fokal (lokalisert an einer Stelle) sein.
  • Choreoathetose (unfreiwillige, schnelle, ruckartige Bewegungen), die zusammen mit Athetose auftritt (relativ langsame, geschmeidige, verkrümmende Bewegungen).
  • Beeinträchtigte Gangart (Schwierigkeiten zu gehen).
  • Scoliose (Krümmung des Rückgrads zur Seite).
  • Dysarthrie (Sprachprobleme), Schwierigkeiten die Muskeln des Mundes, der Zunge, des Kehlkopfes oder der Stimmbänder zu benutzen oder zu kontrollieren, die für das Sprechen benutzt werden. Dadurch kann es schwierig sein, die Aussprache einer betroffenen Person zu verstehen, zum Beispiel wegen Stotterns, undeutlicher Artikulation oder schwacher oder heiser klingender Sprache.
  • Dysphagie (Schwierigkeiten beim Schlucken).
  • Hypogonadismus (unterentwickelte Hoden oder Eierstöcke), führt oft zu einer verzögerten Pupertät, verursacht niedrige Östradiol oder Testosteron Spiegel.
  • Alopezie (Haarausfall).
  • Diabetes mellitus, führt zu hohen Blutzuckerspiegeln, Bluttests zeigen niedrige Serum Insulin Werte.
  • Sensorineuronale Taubheit, Hörverlust, der durch Probleme mit dem Hirnnerv VIII, dem Innerohr oder den zentralen Schaltzentren des Gehirns verursacht wird.
  • Kognitive Verschlechterung (geistige und intellektuelle Defizite).

DIAGNOSE

Woodhouse-Sakati ist eine multisystemische Krankheit.

Es können verschiede kraniofaciale Abnormalitäten vorliegen wie zum Beispiel hohe Stirn, flacher Hinterkopf, dreieckiges Gesicht, starke Nasenwurzel, Hypertelorismus (abnormal vergrößerter Abstand zwischen den Augen), und nach unten geneigte Lidspalten.

Hyperreflexie (überaktive oder überreaktive Reflexe), und Kampodaktylie (starre Beugekontraktion der Mittelgelenke des kleinen Fingers).

Weiterhin werden abgeflachte T Wellen im EKG, Krämpfe, und sensorische Polyneuropathien gefunden.

MRI Befunde bei Woodhouse-Sakati

  • Hypointensität (dunkle Stellen) im T2 MRI im Globus pallidus und der Substantia Nigra, Dunkle Flecken, die auf Eisenakkumulation hinweisen, werden nur in einigen Fällen beobachtet..
  • Confluente Hyperintensitäten (zusammenlaufende, helle Flecken) in der weißen Substanz im Gehirn.

Blut Tests: Niedriger IGF-1 Spiegel (insulin growth factor-1).

Die Diagnose Woodhouse-Sakati Syndrom ist genetisch bestätigt, wenn 2 Genveränderungen auf dem DCAF17 Gen gefunden werden. Wenn keine Mutationen gefunden werden, wird auf Löschung oder Duplikation von Genabschnitten geprüft.

In sehr seltenen Fällen kann eine Person mit den Zeichen und Symptomen des Woodhouse-Sakati Syndromes nur eine oder gar keine Veränderung des DCAF17 Gens tragen. In diesen Fällen braucht es Ärzte, die Erfahrung haben mit dem Woodhouse-Sakati Syndrom, um aus den MRI Daten und den Symptomen eine korrekte Diagnose zu stellen.

BEHANDLUNG

Es gibt keine Standardbehandlung für Kufor-Rakeb. Ein Team von Medizinern empfiehlt Behandlungen, die auf den aktuellen Symptomen basieren.

Das Ausmaß der Krankheit kann bestimmt werden durch:

  • Blutuntersuchungen auf Anzeichen von Diabetes, Insulinspiegel und HbA1c.
  • Neurologische Untersuchung des Gehens und des Sprechens
  • Bewertung für Physiotherapie, Ergotherapie und/oder Logopädie.
  • Beurteilung des Entwicklungsgrades
  • Medizinisch-genetische Beratung.

Therapien zur Behandlung der Dystonie

  • Botulinus toxin oder Botox wird intramuscular injiziert in spastische, dystonische Muskeln, um eine zeitweise Entspannung zu bewirken.
  • Artane (trihexyphenidyl), wird oral verabreicht, gewöhnlich auf mehrere Dosen über den Tag veteilt.
  • Baclofen (oral oder intrathecal), wird meist zuerst oral genommen auf mehrere Dosen über den Tag veteilt. Bei der intrathekalen Applikation wird das Medikament mit einer implantierten Baclofen Pumpe direkt in die Spinalflüssigkeit gebracht.
  • Tiefe Hirnstimulation (DPS, Deep brain stimulation), ein Stimulator sendet elektrische Impulse in die betroffenen Hirnregion um eine Relaxation der von dort gesteuerten Muskeln zu erreichen. Dies beinhaltet die chirurgische Implantation eines Elektrodenkopfes, eines Verlängerungskabels und eines batteriegetriebenen Neurostimulators. Der Elektrodenkopf kann 4 Elektroden enthalten und wird im Globus Pallidus implantiert. Der Stimulator mit Batterie wird im Bauchraum platziert (oder manchmal unterhalb des Schlüsselbeins).
  • Physiotherapie und Ergotherapie, kann oder kann nicht indiziert sein für Patienten mit milden Symptomen. Therapien, die die normale Gelenkmobilität  möglichst lange erhalten sollen, können hilfreich sein.

Langfristige Überwachung des Woodhouse-Sakati Syndroms

  • Jährliche Glukosetoleranz Tests zur Prüfung auf Anzeichen für Diabetes.
  • Ernährung, Kontrolle von Größe und Gewicht bei Kindern. Beurteilung von Schluckschwierigkeiten auf Grund von Kopf und Nacken Dystonien. Nahrungsergänzungen und Ernährung mit einer Magensonde (falls erforderlich).
  • Regelmäßige Bewertung der Geh- und Sprechfähigkeiten

PROGRESSION

Bei den meisten Betroffenen erscheinen die ersten Symptome des Woodhouse-Sakati Syndroms in der Jugend. Die durchschnittliche Lebenserwartung variiert. Aber auf Grund verbesserter medizinischer Pflege leben jetzt mehr Betroffene bis ins Erwachsenenalter.

URSACHE

Das veränderte DCAF17 Gen, das autosomal rezessiv vererbt wird, ist die Ursache für Woodhouse-Sakati.

Autosomal“ bezieht sich auf die Tatsache, dass sich das DCAF17 Gen auf dem Chromosom 2 befindet, das eines der Autosomen ist (Chromosomenpaare 1-22). „Rezessiv“ bezieht sich auf die Tatsache, dass eine Mutation in beiden Kopien des DCAF17-Gens vorhanden sein muss, damit eine Person das Woodhouse-Sakati Syndrom haben kann. Wenn beide Eltern Träger sind (eine Kopie der veränderten Gens besitzen), gibt e seine 25% Chance, dass das Kind Woodhouse-Sakati entwickelt und eine 50% Chance, dass das Kind ein Träger der Genveränderung ist wie seine Eltern und eine 25% Chance, dass das Kind nicht Woodhouse-Sakati bekommt und nicht Träger ist.

Tests auf Trägerschaft des Gens für gefährdete Verwandte und pränatale Tests für Schwangere mit Risiko werden vorgeschlagen, wenn beide krankheitsverursachenden Mutationen bei einem betroffenen Familienmitglied identifiziert wurden.

PRENATALE TEST

Wurden die krankheitsverursachenden Mutationen in der Familie identifiziert, kann eine pränatale Diagnose für Schwangerschaften mit erhöhtem Risiko gestellt werden. In einem Test wird die DNA aus fetalen Zellen extrahiert, die durch Amniozentese normalerweise nach 15 bis 18 Wochen Schwangerschaft gewonnen werden, und analysiert. Oder die Probenahme erfolgt an den Chorionzotten, den winzigen fingerähnlichen Fortsätzen am Rand der Plazenta, in der Regel nach 10 bis 12 Schwangerschaftswochen.
Das Embryoscreening, die so genannte Präimplantations-Gendiagnostik, kann für einige Familien, in denen die krankheitsverursachenden Mutationen identifiziert wurden, eine Option sein.