NEUROFERRITINOPATHIE

Neuroferritinopathie ist eine genetisch dominante Form von NBIA, die durch eine Mutation im FTL Gen verursacht wird, das für die leichte Untereinheit des Ferritin Proteins kodiert. Ferritin ist verantwortlich für Speicherung und Abgabe von Eisenionen. Neuroferritinopathie gehört zu den NBIA Störungen und ist charakterisiert durch Symptome, die ähnlich denen der Huntington Krankheit sind, wie Chorea, Dystonie und kognitive (mentalen) Veränderungen, die im Erwchsenenalter beginnen.

Bewegungsprobleme betreffen typischerweise am Anfang ein oder zwei Gliedmaßen, greifen irgenwann im Laufe von 5-10 Jahren auf alle Glieder über und können binnen 20 Jahren überall auftreten. Über die Zeit werden geistiger Verfall und Verhaltensstörungen zu erheblichen Problemen für die Patienten mit Neuroferritinopathie.

Die Lebensdauer der Patienten ist unterschiedlich. Auf Grund der verbesserten medizinischen Pflege können heute mehr Betroffene ein hohes Erwachsenenalter erreichen.

Psychometrische Untersuchungen, Ernährungsempfehlungen, Physiotherapie und logopädische Behandlungen sollten gemacht werden.

Die Häufigkeit der Krankheit ist unbekannt. Es sind etwa 100 Fälle bekannt. Die meisten Betroffenen tragen die gleiche Genveränderung, was auf einen gemeinsamen Vorfahren hinweisen könnte.

SYMPTOME

Die Symptome der Neuroferritinopathie beginnen typischerweise im Alter von etwa 40 Jahren, können aber auch im Zeitraum vom frühen Jugendalter bis zum Alter von etwa 60 Jahren anfangen. Im Alter von 40 Jahren treten typischerweise Dystonien auf. Ruckartige Bewegungen (Chorea) und leichte kognitive Veränderungen werden erkennbar. Im Verlauf von 20 Jahren sind die Bewegungen aller Glieder betroffen und es treten Probleme beim Sprechen auf, ähnlich der Huntington Krankheit. Kognitive Defizite und Verhaltensstörungen werden mit der Zeit zu bedeutenden Problemen.

Hauptsächliche Symptome

  • Chorea (unkontrollierbare, kurze, repetitive, ruckartige Bewegungen).
  • Dystonie (unfreiwillige Muskelkontraktionen und Spasmen), betrifft am Anfang ein oder zwei Gliedmaßen und breitet sich im Lauf von 5-10 Jahren auf andere Gliedmaßen aus. Das Einsetzen der Synptome geschieht oft asymmetrisch (bilaterale Gliedmaßen sind unterschiedlich betroffen). Wenn Asymmetrie auftritt, bleibt es so während des Krankheitsverlaufes.
  • Parkinsonismus (Symptome ähnlich der Parkinson Krankheit), Bradykinesie (langsame Bewegungen), erhöhter Sehenreflex.
  • Sprachprobleme
  • Dysarthrie (Sprachprobleme), Schwierigkeiten die Muskeln des Mundes, der Zunge, des Kehlkopfes oder der Stimmbänder zu benutzen oder zu kontrollieren, die für das Sprechen benutzt werden. Dadurch kann es schwierig sein, die Aussprache einer betroffenen Person zu verstehen, zum Beispiel wegen Stotterns, undeutlicher Artikulation oder schwacher oder heiser klingender Sprache.
  • Dysphonie (die Bewegung der Stimmbänder ist behindert durch verspannte Muskeln), resultiert in einer ruckartigen, zitternden, heißeren, harten oder ächzenden Stimme.
  • Orolinguale dyskinesie (Schwierigkeit, natürliche Bewegungen des Mundes und der Zunge auszuführen, wie zum Beispiel Kauen).
  • Dysphagie (Schwierigkeiten zu schlucken).
  • Augenprobleme (Abnormale extraokulare Bewegung), Die Bewegung des Auges in eine oder mehrere Richtungen funktioniert nicht normal. Unnormaler Augenhintergrund (Retina und optischer Nerv).
  • Leichte Abnahme der kognitiven Fähigkeiten

Klinische Diagnose

Die MRI Befunde unterscheiden sich von denen anderer NBIA Patienten.

  • Hypointensität (dunkle Bereiche im T2-gewichteten MRI) in Caudate, Globus pallidus, Putamen, Substantia nigra und Nucleus ruber. Die dunklen Bereiche weisen auf eine übermäßige Eisenakkumulation hin.
  • Hyperintensität (helle Bereiche im T2-gewichteten MRI), zystische Degeneration und Hohlraumbildung im Caudate und Putamen bei fortgeschrittenen Fällen.
  • Milde kortikale und cerebellare Atrophie (Abnahme der Größe des Cerebellums)
  • Fortschreitende Bewegungsstörungen im Erwachsenenalter (entweder Chorea oder Dystonie)
  • Die Familiengeschichte ist vereinbar mit einer autosomalen, dominanten Weitergabe.
  • Serum Ferritin Konzentrationen können niedrig sein.
  • Axonale Schwellungen (neuroaxonale Spheroide) können vorkommen.

Augenbewegungen bleiben gut erhalten während des Krankheitsverlaufs.

Die Diagnose der Neuroferritinopathie kann durch genetische Untersuchung des FTL-Gens erhärtet werden. Man findet eine Genveränderung in etwa 80% der Fälle. Die Gentests erfolgen durch Sequenzanalyse.

Management

Es gibt keine Standardbehandlung für Neuroferritinopathie. Ein Team von Medizinern empfiehlt Behandlungen, die auf den aktuellen Symptomen der diagnostizierten Personen basieren.

Das Ausmaß der Krankheit kann bestimmt werden durch:

  • Psychometrische Bewertung
  • Physiotherapeutische Beurteilung
  • Sprachtherapeutische Begutachtung
  • Beurteilung der Ernährungsweise
  • Medizinisch genetische Konsultation
  • Parkinsonismus: Die Parkinson-ähnlichen Symptome können mit den gleichen Medikamenten behandelt werden wie die Parkinsonsche Krankheit. Die Bewegungsstörungen sind zwar besonders resistant gegenüber der konventionellen Behandlung, aber einige Erfolge sind beschrieben für Levodopa, Tetrabenazine, Orphenadrine, Benzhexol, Sulpiride, Diazepam, Clonazepam und Deanol in Standarddosierung (Chinnery et al 2007, Ondo et al 2010). Botulinumtoxin kann bei schmerzhaften fokalen Dystonien hilfreich sein.

Langzeitüberwachung

  • Regelmäßige Kontrolle von Ernährung und Kalorienaufnahme
  • Physiotherapie zur Erhaltung der Beweglichkeit und um Kontrakturen (bleibende Versteifung eines Muskel oder eines Gelenks) zu verhindern.

Ursache

Das veränderte FTL-Gen, das autosomal dominant vererbt wird, ist die Ursache für Neuroferritinopathie. „Autosomal“ bezieht sich auf die Tatsache, dass sich das FTL-Gen auf dem Chromosom 19 befindet. „Dominant“ bedeutet, dass eine Genveränderung in nur einer der beiden Gen-Kopien genügt, um die Krankheit zu bekommen.

Es gibt eine 50% Wahrscheinlichkeit, dass eine betroffene Person die Genveränderung an die Kinder weitergibt. Die meisten Personen mit einer Neuroferritinopathie Diagnose haben,ein Elternteil, das auch betroffen ist.

Der Anteil von Fällen, die durch neue Spontanmutationen verursacht werden, ist unbekannt.

Prenatale Tests

Wurden die Mutationen, die die Krankheit verursachen, in einer Familie identifiziert, kann eine pränatale Diagnose für Schwangerschaften mit erhöhtem Risiko gestellt werden. In einem Test wird die DNA aus fetalen Zellen extrahiert, die durch Amniozentese normalerweise nach 15 bis 18 Wochen Schwangerschaft gewonnen werden, und analysiert. Oder die Probenahme erfolgt an den Chorionzotten, den winzigen fingerähnlichen Fortsätzen am Rand der Plazenta, in der Regel nach 10 bis 12 Schwangerschaftswochen.
Das Embryoscreening, die so genannte Präimplantations-Gendiagnostik, kann für einige Familien, in denen die krankheitsverursachenden Mutationen identifiziert wurden, eine Option sein.

Bitte beachten Sie den Link auf der rechten Spalte dieser Seite für detaillierte klinische Informationen über Neuroferritinopathie in Gene Reviews, die die Quelle für einige der oben genannten Informationen war. Gene Reviews wird vor allem von Genetikspezielisten benutzt. Daher kann die Terminologie und Information für Laien schwer zu verstehen sein.

Gene Reviews Autor:
Patrick F Chinnery, MBBS, PhD, FRCP, FRCPath, FMedSci

Institute of Human Genetics

University of Newcastle upon Tyne

Newcastle upon Tyne, United Kingdom